Durchatmen am Ende eines rastlosen Septembers. Am Ende solcher Staffelläufe ist immer unklar: Erleichterung oder bereits Bedauern, dass kein neuer Termin folgt?
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Das Alpine Museum schickt mich zur Recherche nach Galtür, genauer, hinauf zur Jamtalhütte. In den 30er Jahren half Hüttenwirt Albert Lorenz gemeinsam mit der Bergführergilde Galtür einer großen Zahl von Menschen über den Futschölpass hinüber in die Schweiz. Hierüber wissen wir aus allerhand Erzählungen, jedoch fehlen die handfesten Belege. Hier oben wälze ich die Hüttenbücher aus den Jahren zwischen 1935 und 1940: Hunderte Eintragungen über An- und Abreisen, über Gipfelziele und Bedingungen („Schönes Wetter!“). Einfache Notizen in Sütterlin, zwischen denen sich die dramatischen Geschichten des Kampfes ums eigene Leben verbergen, während der widerliche Antisemitismus ganz unverhohlen dokumentiert wurde: hinter die Namen jüdischer Gäste wurden Davidsterne geschmiert. Praktische historische Arbeit, in der die Zeit erst stillsteht und dann zerläuft: die gleiche Hütte, das gleiche unwirtliche Gelände, der gleiche erste Schnee. Auf der Hütte bin ich der einzige Gast.
Eine weitere Recherchereise führt in die Sarntaler Alpen, jenes abgeschlossene Oval zwischen Sterzing und Bozen. Einer der vielleicht letzten Orte Südtirols, in denen man vom Begriff „Overtourism“ kaum je gehört hat. Das Gegenteil dieser Welt findet man gleich ein Tal weiter, z.B. in Gröden, wo man nicht nur auf besten Blechstau, sondern auch auf die Heimstatt des Overtourisms trifft. Dorthin führt die folgende Kontrastetappe. Einen bunten Spätsommer im Dolomitengelb verbringt hier die heitere Lehrgangsgruppe angehender B-Trainer unter der strengen Obhut von Rainer Bolesch und Jochen Hollfelder. Wertvoll sind diese Lehrgänge ja nicht nur ob der Inhalte, die sie vermitteln, sondern auch wegen der vielen guten Menschen aus der ganzen Republik, denen man sonst nie begegnet wäre. Dies bereichert nicht nur das Leben, sondern auch den Journalisten, der im bunten Feld der Themen genauso pflücken wie auch selbst aufblühen darf — vielen lieben Dank euch allen für diese tolle Woche!
Zu einer einzigartigen Veranstaltung lud die „Internationale Paul-Preuß-Gesellschaft“ in den Geburtsort ihres Namenspatrons ein, nämlich nach Altaussee im Salzkammergut. Ich hatte — um ehrlich zu sein — einen recht trockenen Besuch im lebenden Museum der deutschsprachigen Alpingeschichte erwartet. Das Gegenteil durfte ich erleben: Hier kam ein bunter Haufen wilder Menschen aller Generationen zusammen und feierte nicht nur ordentlich die Preisträgerin Babsi Zangerl, sondern auch das Alpinklettern und vor allem aber miteinander. Und dies keineswegs trocken. Es war wohl das erste Mal, dass die jungen Menschen der Alpinteams und -kader von DAV, ÖAV, AVS und Naturfreunden zusammenkamen. Hoffentlich war es nicht das letzte Mal. So hat die Veranstaltung Potenzial, eine Institution in Sachen alpinem Generationenaustausch zu werden. Denn: Alpingeschichte ist keine Museumsangelegenheit, sondern ein lebendiger Austausch zwischen denen, die Geschichten geschrieben haben, und denen, die noch Geschichten schreiben werden. In welchem Geiste dies geschieht, bestimmt sich auch anhand der Ideen, die überliefert, überdacht und fortgelebt werden. Paul Preuß’ Ideen sind einer dieser Anknüpfungspunkte — aber (gottseidank) nicht die einzigen.
Der Oktober bringt vor allem eines: nämlich das Ausräumen der (noch) eigenen vier Wände in Freiburg. Es sieht nicht so aus, als würde ich demnächst viel hier sein. Und da Wohnraum ohnehin viel zu begrenzt ist, wird es Zeit, diesen endgültig freizugeben.



















