Schmidt spürt eine Abwesenheit

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Wir sehen Schmidt, der auf einem mit Korbgeflecht bespannten Holzstuhl sitzt und auf das Meer hinausschaut. Schmidts Stuhl steht an einem mit karierter Papierauflage bezogenen Holztisch, an den gegenüber ein weiterer mit Korbgeflecht bezogener Holzstuhl platziert wurde. Schmidt sitzt auf der Terrasse einer griechischen Taverne an der Küste der Ägäis. Nachdem Schmidt eine umfassende Speise und eine kleine Karaffe lokalen Weins zu sich genommen hatte, senkte Schmidt seine Sitzposition und verschloss die Hände vor dem Bauch.

Schmidt spürte die Wärme der Sonnenstrahlen eines windstillen Tages auf seiner Haut und betrachtete die gerade Horizontlinie des regungslosen Meeres. Schmidt schloss die Augen und hörte auf das, was seine Ohren erreichte: Aus der Ferne vernahm Schmidt zunächst den Motor eines sich entfernenden Autos, aus der Nähe jedoch nichts. Es erklang das Läuten eines alten Telefons, das der Wirt der Taverne unterband, indem er abhob, aber nichts sprach. Schmidt vernahm, dass der Hörer aufgehängt wurde und dann nichts weiter.

Schmidt bemerkte, dass er nun weder hörte, noch sah, und dass es leer war in Schmidts Geist. Außer der Wärme der Sonnenstrahlen auf Schmidts Haut, war nichts zu spüren. Es war zweierlei, was sich in Schmidts Leere formte: 1) das Bewusstsein eines Wohlbefindens und 2) ein Gefühl ohne Rand und Form.

Wir kennen Schmidt als einen aufmerksamen Menschen, der sowohl seine Umgebung als auch sein Inneres wahrnimmt und ein grundsätzliches Verständnis von Gefühlen, wie etwa dem Wohlbefinden, besitzt. Vor allem das Wohlbefinden ist Schmidt nicht nur lieb und vertraut, er weiß sogar um Maßnahmen zu dessen Förderung, wozu etwa das Gehen und Atmen gehören. Schmidt saß jüngst auf einer Parkbank, als eine Katze sich ihm annäherte und um Schmidts Beine strich. Schmidt beugte sich langsam zu ihr herunter und fuhr mit der Hand über ihr Fell, worauf es Schmidt wohlig wurde und die Katze schnurrte oder andersherum.

Mit geschlossenen Augen genoss Schmidt das Gefühl des Wohlbefindens und die Wärme der Sonnenstrahlen auf seiner Haut. Als Schmidt mit diesem Gefühl fertig und offen für das Andere seiner ausgefüllten Leere war, wandte er sich vom Wohlbefinden ab und dem Gefühl ohne Rand und Form zu. Schmidt näherte sich ihm an, indem er es auf sich zukommen ließ und versuchte wahrzunehmen, was er fühlte. Im Bereich des linken Schlüsselbeins spürte Schmidt einen Rand, der sich zur Haut hin ausdehnte und sowohl über die Außenseite des Halses, als auch über die Schulter hinweg wuchs. Schmidt spürte nach dem Rand, der von Kinn zu Kopf, von Brust zu Bauch, von Zeh zu Zeh zu Zeh zu Zeh sich dehnte. Der Rand beschloss den kleinen Finger rechts und rundherum war Schmidts Haut Rand geworden. Schmidt saß still und atmete und Schmidt erinnerte sich an etwas, an eine Begegnung oder einen Menschen, und Schmidt saß weiter still und atmete gemeinsam mit dem Menschen und dem Rand, dem Schmidt begegnete und der Schmidt begrenzte. Es mögen fünf oder sechs Atemzüge gewesen sein, als Schmidt spürte, dass der Rand durchlässig wurde, sich langsam auflöste und verschwand.

Als Schmidt seine Augen wieder öffnete, sah Schmidt zunächst nichts, da Schmidts Augen geblendet wurden und anschließend zunehmend mehr, je besser sie sich an das Licht gewöhnten. Schmidt sah das Meer, das an den Himmel stieß, und den mit karierter Papierauflage bezogenen Holztisch, an dem er saß. Zuletzt sah Schmidt den leeren, mit Korbgeflecht bespannten Holzstuhl, der auf der anderen Seite des Tisches stand und an dem Schmidts Augen haften blieben.

Schmidt spürte eine Abwesenheit.

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