Es war eine lange überfällige Maßnahme, das standortgebundene Wohnen bis auf Weiteres vollständig aufzugeben. Nicht, dass es mir nicht gefallen würde! Im Gegenteil: Die Annehmlichkeit einer modernen Wasserspülung schätze ich so sehr, wie die jederzeitige Verfügbarkeit aller möglichen Druckerzeugnisse, sei es hinter einem im Schrank oder um in einer Bibliothek nahebei. Von der sonstigen Kulturwelt einer Stadt ganz zu schweigen. Wohnen ist herrlich – zumindest sofern man es beherrscht.
„Ich kann nicht wohnen“ – ich weiß immer noch nicht, ob dieses Rilke zugeschriebene Zitat wirklich bei ihm zu finden ist oder es sich jemand (oder gar ich selbst) ausgedacht hat. Doch trifft es schon immer meinen Zwiespalt: So gerne ich wohnen wöllte, so wenig gelingt es mir seit Jahren. In den eigenen vier Wänden endet nicht nur jede Reise, sondern immer auch mein An- und Auftrieb, bzw. noch schlimmer: mein Sprachvermögen. Kein Satz will mehr fließen, kein Gedanke sich mehr ausdrücken lassen, kein Text mehr gelingen. Die Rückkehr ins Schweigen ist ein schwieriger Fall, wenn man mit Text arbeitet.
Das ist keine neue Erkenntnis, das geht seit Jahren so. Allerdings ohne dass ich je Konsequenzen daraus gezogen hätte. Schmidt meinte letztens: „Die Welt gibt nach, aber nur an Stellen, wo man nicht drückt.“
Um nicht weiter verzweifelt rumzudrücken, heißt es daher nun wirklich: Nomadisch aus Notwehr.
So plötzlich die Sprache im Ankommen versiegt, so unmittelbar springt sie im Aufbrechen wieder heraus. Fröhlich und frei flottiert es sich nun im rollenden Rot auf vier Rädern dahin, z. B. zunächst und zurzeit über sardische Schotterstraßen. Natürlich bleibt auch im standortungebundenen Wohnen Arbeit, Arbeit und Alltag, Alltag. Doch ist es ein Arbeiten in Bewegung, ein Alltag in Bewegung. Ein Zuhause sein, nur eben immer woanders. Das ist auf eine Weise genauso anstrengender, wie es auch leichter ist. Je nach Tag, je nach Wetter, je nach dem eben; so wie alles.
Und so endet das Jahr wenig überraschend, aber doch neuerlich, und führt – wenig überraschend, aber doch neuerlich – vor Augen, wie spät es eigentlich schon ist (2026 nämlich). Aber von mir aus kann die Zeit gerne tun, was sie will.
Zumindest so lange sie sich weiter beschreiben lässt.















