Schaut man vom Dorfplatz Leonidios hinauf zur roten Felsmauer des Kokkinovrachos, sticht sie sofort ins Auge: die unmissverständliche Kante am rechten Ende der Wand. Im Winter zeichnet sie ab Mittag eine scharfe Schattenlinie auf den dahinter liegenden Fels.
Es gibt Linien, von deren Perfektion man weiß, ohne je Hand an sie gelegt zu haben. Hier ahnt man es bereits von unten – am Standplatz ihres Sockels weiß man es. Ein kleines Sitzbrett markiert den Einstieg, aufgehängt an einem Bohrhaken; die Lasche des zweiten Hakens hat wohl jemand als Andenken mitgenommen.
Der Fels hier ist anders: Nicht rot-orange, wie sonst in Leonidio, sondern grau, porös, scharf. Die Leisten: echte Fingerknacker. Die Crux kommt gleich zu Beginn: Harte Bouldermoves führen in wilder Neigung durch den strukturschwachen Wandbereich und an die Kante. Anschließend heißt es dran bleiben, mal links, mal rechts.
In Sportklettergebieten wie Leonidio ist es kein kleines Glück, andere Menschen zu treffen, die sich gerne in dieser Exposition aufhalten – und sich plötzlich mit diesen dort oben wiederzufinden. Danke Danke für diesen reichlich heiteren Tag. Und die neue Lasche am Stand.











