…sang einst der große Kletterbarde Erbse – und dass er dieses wohl bald auch wieder häufiger tut, freut sicher nicht nur ihn, sondern auch mich und vor allem auch mich für uns alle. Aber Erbse, möchte ich fragen, was ist nun eigentlich mit dem Marmor? Hast du das vielleicht geprüft und nach repräsentativen Testreihen herausgefunden, dass Drafi Deutscher Unrecht hatte? Denn: Dein Urteil in Bezug auf das GriGri teile ich vollumfänglich. Mein zwanzig Jahre alter Totschläger der ersten Generation wird sicher mich – aber vielleicht auch uns alle, je nach dem – überleben.
Sardiniens äußerster Süden wird vom Sulcis-Gebirge ziemlich ausgefüllt und dieses wiederum ist von jenem ausgefüllt, über das wir es hier zuletzt hatten, nämlich dem Nichts, bzw. reichlich Macchiawald. Auch hier hat der Bergbau einzelne Narben hinterlassen, so z.B. den ehemaligen Marmorsteinbruch am Monte Tamara. Marmor ist zweifellos das Gestein der Bildhauer und vielleicht auch jenes der digitalen Bildproduzenten. Für das Klettern eignet er sich nur bedingt, da er in etwa genauso strukturschwach ausfällt, wie der Südwesten Sardinien. Insofern hält man sich hierfür – da waren Lio und ich uns einig – vielleicht doch besser an die von Erbse genannten veränderungsfreudigen Gesteine.
Schmidt, der uns begleitete, betrachtete den Marmor und urteilte, dass Marmor eigentlich nur Kalkstein ist, der unter Druck seine Struktur verändert hat, was Schmidt beeindruckte, da er Druck üblicherweise eher ausweicht, statt sich durch ihn zu veredeln. Schmidt strich eine Weile mit der Hand über die Oberfläche, die sich weigerte ihm eine Kante anzubieten. Schließlich drehte er sich zu uns und meinte: „Das Problem mit dem Glanz ist die mangelnde Reibung. Man sieht darin zwar sich selbst, findet aber keinen Halt.“










